Im Rahmen von Religion, Kultur und Ethik beschäftigen sich die Mittelstufenkinder mit dem Judentum. Seit den Sommerferien erforschen sie neugierig die Mutterreligion des Christus und Islams. Sie klären Begriffe wie Chanukka, Sabbat, Challah, Yom Kippur, Bar Mizwa, Koscher, Tora, Tschiri usw. und halten Vorträge. Täglich begrüssen und verabschieden sie sich auf hebräisch mit Boker tov (Guten Morgen) und Lehitra’ot (Auf Wiedersehen).

Haben Sie (männlich) schon einmal eine Kippa getragen? – Am 1. November bestiegen wir um 8.15 Uhr den Zug nach Zürich. Wir hatten uns für einen Besuch und eine Führung in der Synagoge an der Löwenstrasse angemeldet. Nachdem wir die Sicherheit passierten, setzten sich die männlichen Teilnehmer eine Kippa auf und hörten von den Bankreihen aus gespannt den Erklärungen von Frau Guggenheim zu. Wissen, welches wir uns im Schulzimmer angeeignet hatten, wurde durch die direkte Begegnung vor Ort und die Betrachtung des Objekts, zum Beispiel einer oder sogar mehrerer (echten) Thorarollen zu einem unvergesslichen Erlebnis. Der Preis von 40’000 Franken für eine dieser teuren Spenden an die Gemeinde ist eindrücklich, sind sie doch von Hand geschrieben. Was die Schüler und Schülerinnen mehr beeindruckte, war, dass der Schreiber bei einem Schreibfehler wieder von vorne beginnen darf. Die sehr lehrreiche Stunde reichte nicht, um alle Schülerfragen abschliessend zu beantworten. Wir bedanken uns bei der Israelitischen Kultusgemeinde Zürich ganz herzlich für die Führung.

Wie sind Menschen, die diese Religion leben? Wie sind Juden, jüdische Kinder?

Eine Woche vor unserem Besuch tauschten wir mit unserer Gastklasse (5. Klasse) aus der NOAM-Schule persönliche Vorstellungsbriefe. Wir waren alle ganz gespannt und auch ein bisschen nervös. Die Pause war bei unserer Ankunft eben zu Ende und die Kinder der Klasse von Frau Battaini empfing uns ebenso aufgeregt. Sie führten uns gleich in ihr Klassenzimmer, wo wir uns noch einmal kurz vorstellen durften. Kontaktschwierigkeiten zeigte kein Kind. Beim anschliessenden Parcour mit verschiedenen Posten lernten wir Regensburger unseren Namen auf Hebräisch schreiben, persönliche Erfahrungen, Eindrücke und Umgang mit Festen und Gebräuchen (Bar und Bat Mizwa, koscheres Essen).

Freundschaften hatten sich schon bald gebildet. Zu zweit oder zu dritt gemischt, fröhlich schwatzend, erlebten die Besucher kurz vor dem vegetarischen Mittagessen das erste rituelle Händewaschen (Netilat Jadajim). Am Nachmittag zeigten uns die Noam-Schüler im Fach Hebräisch das Alephbejt (ABC), mit welchem wir anschliessend selber die Buchstaben für unsere Namen suchen durften.

Die ganze Klasse begleitete uns zum Eingang. Wir verabschiedeten uns höchst zufrieden über die neuen Begegnungen mit Menschen, die so sind wie wir. Wir freuen uns schon sehr, wenn sie uns spätestens nächsten Frühling besuchen kommen.